pureproject

Welches Laufgefühl: Float oder Feel?

 

Brooks Produktlinienmanager für Schuhe Carson Caprara spricht über die Zukunft von Laufschuhen und stellt die Idee der PureProject Kollektion von Brooks vor, einer aufregenden neuen Produktlinie, die im Oktober im Markt eingeführt werden soll:

FLOAT oder FEEL

Die Marktsituation verändert sich schnell und gerade jetzt sorgt das Thema Minimal- und Barfußlaufen gegenüber traditionellen Laufschuhen in der Laufwelt für viel Furore und Verwirrung. Es gibt viele Fragen darüber, welcher Laufstil richtig oder falsch ist. Sollte man eher auf dem Mittel- oder dem Vorfuß laufen, oder ist der Fersenlauf ok? Zahlreiche Aussagen zum Thema werden getroffen, von „Laufschuhe sind schlecht“ bis hin zu „Barfußlaufen ist verrückt!“ Die Debatte ist durchaus gesund und wird sich in Zukunft positiv auf das Design und die Funktionalität aller Laufschuhe auswirken.

In letzter Zeit scheint es bei dieser Diskussion jedoch mehr und mehr darum zu gehen, wer recht hat und wer nicht. Wo liegt denn nun die Wahrheit? Und noch wichtiger, warum interessieren sich neue Läufer so sehr für diese Debatte? Was erhoffen sie sich wirklich von ihrer Laufschuherfahrung?

Um dieser Frage auf den Grund zu gehen, ist Brooks eine Partnerschaft mit IDEO, einem Unternehmen für Kunden- und Marktbeobachtungen und Designmethoden, eingegangen. IDEO gilt als das Harvard der Konsumentenforschung. Dies verdanken sie zum größten Teil ihrem einzigartigen, eher qualitätsorientierten Ansatz zur Sammlung von Kunden- und Marktdaten.

Unser Team reiste durch das gesamte Land, von Chicago und Austin bis nach New York City, um mit neuen Läufern im Alter von 25 bis 35 Jahren zu sprechen. Wir tauchten in ihr Leben ein. Wir verbrachten viele Stunden bei ihnen zuhause und hörten mehr zu, als dass wir selber redeten. Wir liefen mit ihren Laufgruppen mit, gingen mit ihnen in Sportgeschäften einkaufen, wir stellten ihnen sogar eine ganze Palette von Materialien zur Verfügung, mit denen sie ihre eigenen, perfekten Laufschuhe zusammenstellen konnten.
Das Verfahren öffnete unserem gesamten Team die Augen. Nach Durchsicht der enormen Informationsmenge, die wir in den vorangegangenen Monaten gesammelt hatten, und nachdem wir die Notizzettel an unseren Bürowänden immer wieder neu sortiert hatten, kristallisierten sich nach und nach fünf uebergreifende Botschaften heraus, die uns die neuen Läufer – wie wir glauben - versuchen mitzuteilen:

Erstens, der Schuh ist die Story und die Story ist der Schuh.
(Laufschuhe sind aufgrund einer Fülle an Technologien viel zu kompliziert geworden. Die Recherchen haben uns gezeigt, dass die Verbraucher höchstens drei Technologien verstehen können. Sie bevorzugen eher intuitive Funktionalität und zweckmässiges Design.

Zweitens, die Laufwelt redet von ganz anderen Dingen als die neuen Läufer selbst. (
Die Läufer sind es leid, stets gesagt zu bekommen, was sie BRAUCHEN, wenn sie sich einen Laufschuh aussuchen. Sie möchten darüber reden, was sie WOLLEN, und sie wünschen sich mehr Auswahl. Angefangen von den Farben, über das Design, bis hin zum Laufgefühl ist es ihnen wichtig, einen Dialog mit dem Händler zu führen, statt sich einen einseitigen Monolog anzuhören.

Drittens, die Läufer wissen nicht, was sie nicht wissen.
Wir sprachen mit Joe, einem Läufer aus Chicago, nachdem er von einem lokalen Händler eine vollständige Laufanalyse hatte durchführen lassen. Wir fragten ihn nach seinen Erkenntnissen, und er sagte, „Ich glaube, ich bin ein -nierer...“ Dies war fuer mich, der ich jahrelang selbst Schuhe verkauft habe, eine sehr frustrierende Aussage. Die Diagnose kann nicht einfach „-nierer“ heissen... Ein jeder Läufer ist entweder Überpronierer, Unterpronierer oder zeigt eine normale Pronation. Welche Art Läufer er ist, fand Joe jedoch bei seiner Laufanalyse nicht heraus. Er ging verwirrter aus dem Laden heraus, als er hereingekommen war. Diese Erfahrung unterstreicht möglicherweise, warum neue Läufer nicht mit der momentanen Einkaufserfahrung beim Laufschuhkauf zufrieden sind. Sie wünschen sich ganz eindeutig, dass die Schuhwahl ein einfacherer und besser nachzuvollziehender Prozess ist.

Viertens, Menschen wünschen sich eine engere Verbindung zum Lauf.
Diese Nachricht liess uns aufhorchen: Seit wann wünschen sich neue Läufer eine engere Verbindung zum Lauf? Sind sie nicht diejenigen, die die Kopfhörer einstöpseln und den Lauf hinter sich bringen wollen? Sind sie nicht lediglich an den körperlichen und mentalen Vorteilen nach dem Lauf interessiert? An diesem Punkt wurde uns klar, dass auf dem Markt ein totaler Einstellungswandel stattfindet. Bei der neuen Einstellung geht es voll und ganz um das Vergnügen beim Lauf selbst. Die Kopfhörer abnehmen und eine intensive Verbindung mit der Umgebung eingehen. Den Boden unter den Füßen spüren, mehr mit dem eigenen Körper verbunden sein und jeden einzelnen Schritt verfolgen. Sie realisieren das, was erfahrene Läufer schon immer wussten, aber oft für sich behielten: Laufen kann wirklich Spaß machen und Körper und Seele erfrischen! Ich glaube, das ist der Grund, warum unser Sport erfolgreicher und beliebter ist als je zuvor. Aus diesem Grund haben wir jetzt die einmalige Gelegenheit, mehr Läufer zu erreichen und ihnen eine neue Lauferfahrung zu ermöglichen.

Fünftens und letztens, nicht alle Läufer sind gleich.
Ja, wir entdeckten eine neue Einstellung zum Laufen, die sich schnell verbreitet und die sowohl bei neuen als auch bei erfahrenen Läufern erkennbar ist. Während unserer Reisen haben wir jedoch auch festgestellt, dass nicht alle Läufer diese neue Einstellung teilen. Es gibt nach wie vor – und es wird sie auch immer geben! – sehr viele Läufer, die keinen direkten Bodenkontakt suchen. Die, die durch den Lauf „floaten“ wollen, mit ausreichend Dämpfung und Stabilität über den Boden schweben, die Kopfhörer einstecken oder einfach ihrem Alltagsstress entfliehen. Diese Einstellung hat unseren Sport jahrzehntelang vorangetrieben und wird noch viele Jahre vorhanden sein.

Die Lauferfahrung: FLOAT oder FEEL
Wenn ich von einer Lauferfahrung spreche, spreche ich über eine Wahl. Die Wahl, die für neue Läufer so wichtig ist. Es gibt dabei kein richtig oder falsch... Um ehrlich zu sein, liebe ich am Laufen, dass ich mir nicht nur aussuchen kann, wie ich meinen Lauf erleben möchte, sondern auch, dass ich diese Erfahrung jeden Tag verändern kann. An manchen Tagen möchte ich mich meinem Lauf verbunden fühlen. Völlig wach sein und jeden Moment erleben, mich in die Kurven legen, das Bergauf und Bergab spüren und in vollem Einklang mit meinem inneren Motor sein. Glauben Sie mir, es gibt auch Tage, an denen ich nichts von dem anstrebe. An denen ich so weit wie möglich vom Boden entfernt sein will, weil mir alles weh tut, und ich möchte, dass der Schuh die ganze Arbeit übernimmt. An diesen Tagen möchte ich nur noch „floaten“.

An diesem Punkt war uns klar, dass wir die Produktpalette überdenken mussten. Bislang hatten wir Schuhe lediglich in der, wie wir sie nennen, horizontalen, biomechanischen Bandbreite entwickelt. Unsere Aufgabe war es stets, „a perfect ride for every stride“ zu kreieren. So wurde jeder von uns geschaffene Schuh, von neutral über guidance und support, bis hin zu control, unmittelbar an dieser Linie ausgerichtet. Eine einzelne Linie lässt dem Verbraucher jedoch wenig Spielraum für Auswahl und Erleben. Die Position des Läufers auf der horizontalen Linie wird von seiner oder ihrer individuellen Biomechanik und nicht von Design- oder Lauferfahrungswünschen bestimmt.
Wie können wir den „perfect ride for every stride “ gewährleisten, wenn wir nicht Schuhe herstellen, die dem Läufer eine Wahl bieten und eine Lauferfahrung sicherstellen, die sich viele Läufer wünschen?

Für Brooks ist jetzt die Zeit gekommen, die Bandbreite an Laufschuhen um eine ganz neue Achse, die wir „FLOAT or FEEL“ nennen, dramatisch zu erweitern. FLOAT or FEEL verläuft vertikal durch die bestehende horizontale Linie. Es geht hierbei nur um die Auswahl. Es geht um den Dialog mit dem Läufer über die von ihm oder ihr bevorzugte Lauferfahrung. Es geht um die Verbreiterung der Produktpalette und der Funktionalitäten, die genau für diejenigen geschaffen werden, die auf der Suche nach der größtmöglichen gefühlten Bodenkontakt sind („Feel“), und diejenigen, die sich eine ultimative „Float“-Erfahrung wünschen – wobei die Biomechanik stets der zentrale Blickpunkt für das Design an beiden Enden des Spektrums bleibt.

Float Feel

Die Core Produktlinie von Brooks kennen Sie bereits (z.B. den Glycerin, Ghost, Trance oder Adrenaline) - und lieben sie hoffentlich. Die Designphilosophie für die Core Linie konzentriert sich auf eine individuell angepasste Passform, die grösste dynamische Stabilität und effizienteste Dämpfung, um eine unglaubliche „Float“-Erfahrung zu ermöglichen. Hieran wird sich nichts ändern...
Wir haben jetzt die einzigartige Gelegenheit, eine neue Produktlinie von Grund auf zu kreieren, die dem Läufer eine außergewöhnliche „Feel“-Erfahrung bietet.

„Weniger ist mehr“ lautet momentan die Design-Philosophie zahlreicher Anbieter auf dem Markt, die dem Minimaltrend nachjagen. Wir finden dies schwierig, da wir nicht glauben, dass „weniger ist mehr“ ein guter Vorschlag im Sinne des Konsumenten ist. Es ist zweifellos eine erbauliche Lebensphilosophie, aber ein Produktversprechen? Eher nicht. Läufer sollten nicht mehr für weniger Technologie zahlen müssen. Wir möchten ein besseres, biomechanisch einwandfreies, leichter verpacktes Produkt erschaffen, das es dem Läufer ermöglicht, mit weniger sogar mehr „feel“ zu erleben.

So werden wir am 1. Oktober die PureProject Kollektion von Brooks vorstellen. PureProject ist eine neue Laufschuhlinie, die einen natürlichen Lauf und eine wahrlich einzigartige Lauferfahrung in leichter Verpackung verspricht. Wir verwenden einen neuen, proaktiven Ansatz der Biomechanik, IDEAL (Ideal Alignment) genannt. Die IDEAL-Philosophie ist in die Geometrie dieser Schuhe integriert. Sie wurde erarbeitet, um die ideale Ausrichtung des Läufers zu fördern. Kraftansatzpunkte werden so verschoben, dass resultierende Kraftvektoren ausgerichtet werden und somit durch Gelenkmittelpunkte verlaufen und nicht an ihnen vorbei. So werden schädliche Hebelarme und Momente reduziert, die Performance gesteigert und das Verletzungsrisiko durch interne Überlastung minimiert.

Bei dieser innovativen Produktlinie arbeitet der Schuh mit dem Körper zusammen, so dass der Läufer wieder das Sagen hat, eine vollständige Verbindung zu seinem Lauf spürt, engen Bodenkontakt hat und auf jeden Schritt dynamisch eingestellt ist.
Wir möchten die Läufer ermutigen, selbst zu entscheiden, welches Lauferlebnis sie bevorzugen. Es gibt kein richtig oder falsch bei der Entscheidung fuer FLOAT oder FEEL. Es geht nur darum, wie jemand laufen möchte. Es geht um Dialoge, nicht Monologe. Es geht um die Wahl. Es geht um mehr WOLLEN und etwas weniger BRAUCHEN. Es geht um das Gespräch, das der gewöhnliche Läufer führt, nicht um verwirrende und einschüchternde Aussagen wie „Minimalismus“ und „Lightweight-Training“. Es geht darum, unseren großartigen Sport für noch mehr Menschen zugänglich und zu einem Genuss zu machen.

 

Carson ist ein Produktlinienmanager von Brooks Sports, Inc.

Carson